Spiegelbilder und Drehungen im Einstellungstest
Spiegelbild-Aufgaben zeigen vier Figuren, von denen drei Drehungen derselben Ausgangsfigur sind und eine ihr Spiegelbild. Gesucht ist die, die nicht dazugehört. Sie messen räumliches Vorstellungsvermögen und stehen in praktisch allen technischen Eignungstests, bei Polizei und Bundeswehr und in Auswahlverfahren für Berufe, in denen man Pläne, Karten und Anzeigen lesen muss.
Warum mentales Drehen die falsche Strategie ist
Der naheliegende Ansatz ist, jede Figur im Kopf so zu drehen, dass sie zur Ausgangsfigur passt, und zu prüfen, ob es geht. Das ist genau das, was der Test messen will, und es ist langsam: Die Forschung zu mentaler Rotation seit Shepard und Metzler (1971) zeigt, dass die Zeit dafür linear mit dem Drehwinkel wächst. Bei 180 Grad braucht man doppelt so lange wie bei 90. Unter Zeitdruck und mit vier Figuren pro Aufgabe ist das zu viel.
Es gibt eine Methode, die ohne Drehen auskommt und bei jeder Figur funktioniert.
Die Reihenfolge-Methode
Eine Drehung erhält die Reihenfolge, in der die Details einer Figur im Uhrzeigersinn aufeinander folgen. Eine Spiegelung kehrt sie um. Das ist die einzige Eigenschaft, die man prüfen muss.
- Zwei oder drei markante Details der Figur wählen. Bei einer Fahne etwa: die Spitze der Fahne und das untere Ende des Stiels. Bei einem F: der lange Balken, der kurze Balken, das Ende des Stiels.
- In der Ausgangsfigur bestimmen, in welcher Reihenfolge diese Details im Uhrzeigersinn erscheinen, wenn man um die Figur herumgeht.
- Für jede Option dasselbe tun. Stimmt die Reihenfolge, ist es eine Drehung. Ist sie umgekehrt, ist es die Spiegelung.
Der Drehwinkel spielt keine Rolle, weil man nie dreht. Man liest nur ab.
Beispiel
Die Ausgangsfigur ist ein L: ein senkrechter Strich mit einem kurzen waagerechten Fuß nach rechts. Details: oberes Ende des Strichs, rechtes Ende des Fußes. Im Uhrzeigersinn vom oberen Ende aus kommt zuerst das rechte Fußende, dann die Ecke.
Option A zeigt das L um 90 Grad gedreht. Vom oberen Ende, das jetzt rechts liegt, kommt im Uhrzeigersinn zuerst das Fußende, dann die Ecke. Gleiche Reihenfolge, also Drehung.
Option B zeigt ein L, dessen Fuß nach links zeigt. Vom oberen Ende kommt im Uhrzeigersinn zuerst die Ecke, dann das Fußende. Umgekehrte Reihenfolge, also Spiegelung. Das ist die gesuchte Figur.
Wenn Details fehlen
Manche Testfiguren sind absichtlich detailarm. Dann hilft die Frage, ob die Figur überhaupt asymmetrisch ist. Ein Kreis, ein Quadrat und ein gleichseitiges Dreieck haben kein Spiegelbild, das sich von einer Drehung unterscheidet. Der Test verwendet deshalb immer Figuren mit mindestens einem Detail, das die Symmetrie bricht, und dieses Detail ist der Ansatzpunkt.
Verwandte Aufgabentypen
- Würfel falten. Ein Netz aus sechs Quadraten, gesucht ist der Würfel, der daraus entsteht. Hier hilft, zwei benachbarte Flächen zu fixieren und zu prüfen, welche Fläche gegenüberliegt: Im Netz sind das die Flächen mit einer Fläche dazwischen.
- Würfel drehen. Ein Würfel mit Symbolen, gesucht ist die Ansicht nach einer Drehung. Auch hier gilt: Gegenüberliegende Flächen sind nie gleichzeitig sichtbar.
- Ansichten zuordnen. Ein Körper und vier Ansichten von oben oder von der Seite. Konturen abzählen, nicht vorstellen.
Üben
Spiegelbild-Aufgaben haben einen großen Übungseffekt, weil die Reihenfolge-Methode nach etwa fünfzig Aufgaben automatisch abläuft. Wichtig ist, verschiedene Ausgangsfiguren und beide Drehschritte (45 und 90 Grad) zu üben, damit man nicht an einer Figur klebt. Wo räumliches Vorstellen im Gesamttest steht: Welche Aufgaben kommen im Einstellungstest vor? und für die Polizei und Bundeswehr im Besonderen Einstellungstest bei Polizei und Bundeswehr.
Häufige Fragen
Wie erkennt man ein Spiegelbild von einer Drehung?
Zwei markante Details der Figur wählen und ihre Reihenfolge im Uhrzeigersinn bestimmen. Bei einer Drehung bleibt die Reihenfolge erhalten, bei einer Spiegelung kehrt sie sich um.
Warum sind Spiegelbild-Aufgaben so schwer?
Weil die meisten versuchen, die Figur im Kopf zu drehen. Das ist langsam und fehleranfällig. Die Reihenfolge-Methode kommt ohne mentales Drehen aus.
Wo kommen Spiegelbild-Aufgaben vor?
In technischen Eignungstests, bei Polizei und Bundeswehr, im Wonderlic, im CogAT und in Auswahlverfahren für Piloten und Fluglotsen.
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