IQ-Test für Kinder: WISC, CogAT und was Eltern tun können
Intelligenztests bei Kindern werden aus zwei sehr verschiedenen Gründen gemacht, und der Grund entscheidet darüber, ob Vorbereitung sinnvoll ist. Der eine Grund ist Diagnostik: Ein Kind hat Schwierigkeiten in der Schule, und ein Test soll klären, wo die Stärken und Schwächen liegen. Der andere ist Auswahl: Ein Programm für begabte Kinder, eine Schule oder ein Stipendium nimmt nur Kinder ab einem bestimmten Ergebnis. Im ersten Fall sollte der Test den Ist-Zustand messen, im zweiten ist Vorbereitung das, was alle tun, die das Verfahren kennen.
Die gängigen Tests
- WISC-V (Wechsler Intelligence Scale for Children). Der Standard in der klinischen und schulpsychologischen Diagnostik, für sechs bis sechzehn Jahre. Zehn Kernuntertests in etwa einer Stunde, darunter Matrizen, Zahlenspanne, Wortschatz, Bilderkonzepte und Symbolsuche. Wird von Psychologen einzeln durchgeführt.
- WPPSI für Vorschulkinder ab zweieinhalb Jahren, mit denselben Prinzipien und spielerischeren Materialien.
- CogAT (Cognitive Abilities Test). Der in den USA am weitesten verbreitete Gruppentest für die Auswahl in Begabtenprogramme, mit verbalem, quantitativem und nonverbalem Teil. Der nonverbale Teil besteht aus Figurenmatrizen, Figurenklassifikation und Papierfalten.
- NNAT (Naglieri Nonverbal Ability Test). Rein figural, für dieselben Auswahlverfahren, besonders wenn Sprache keine Rolle spielen soll.
- Raven CPM und SPM. Figurenmatrizen in Farbe für jüngere und Standardform für ältere Kinder, in vielen Ländern als Screening.
- In Deutschland dazu KFT und CFT 20-R, die in Schulen und bei Beratungsstellen eingesetzt werden und figurale Aufgaben ähnlicher Art enthalten.
Was die Ergebnisse bedeuten
Ein IQ-Wert bei Kindern ist eine Momentaufnahme mit einem Messfehler von etwa fünf Punkten in jede Richtung. Ergebnisse vor dem Grundschulalter sind wenig stabil, danach werden sie zuverlässiger, aber auch bei Zehnjährigen sind Verschiebungen um zehn Punkte bis ins Erwachsenenalter normal. Für Diagnostik ist nicht der Gesamtwert interessant, sondern das Profil: Ein Kind mit hoher Matrizenleistung und niedriger Zahlenspanne braucht etwas anderes als ein Kind mit umgekehrtem Profil.
Was Vorbereitung bringt
Für Auswahlverfahren gilt dasselbe wie bei Erwachsenen: Vertrautheit mit dem Aufgabenformat hebt die Leistung. Bei Kindern ist der Effekt eher größer, weil viele beim ersten Test noch nie eine Matrix gesehen haben und einen Teil der Zeit damit verbringen, die Aufgabe zu verstehen. Die Meta-Analyse von Hausknecht et al. (2007) zeigt für kognitive Leistungstests einen Zuwachs von rund einem Viertel Standardabweichung allein durch Wiederholung.
In den USA hat sich daraus ein Markt für CogAT- und NNAT-Vorbereitung entwickelt, und die Schulbezirke wissen das. Nicht vorzubereiten heißt dort, gegen vorbereitete Kinder anzutreten.
Für eine diagnostische Testung gilt das Gegenteil. Wer ein Kind vor dem WISC übt, verfälscht das Profil, und der Psychologe zieht falsche Schlüsse. Die Untertests des WISC sind zudem urheberrechtlich geschützt und werden nicht veröffentlicht, gerade damit das nicht passiert.
Wie Eltern sinnvoll vorbereiten
- Aufgabentypen, nicht Testfragen. Matrizen, Figurenreihen, Klassifikation, Zahlenspanne. Das Kind soll wissen, was eine Matrix ist und wie man sie angeht, nicht konkrete Aufgaben auswendig kennen.
- Kurz und regelmäßig. Zehn Minuten täglich über drei Wochen sind besser als zwei Stunden am Wochenende. Kinder unter zehn halten nicht länger konzentriert durch, und der Test selbst ist auch kurz.
- Erklären, nicht bewerten. Nach jeder Aufgabe die Regel benennen. "Die Form bleibt in der Zeile gleich, die Anzahl steigt nach rechts." Das ist der Teil, der überträgt.
- Zeitdruck zuletzt. Erst die Aufgabentypen ohne Uhr, in der letzten Woche mit Zeitlimit. Zeitdruck ohne Verständnis erzeugt nur Stress.
- Den Test nicht zum Ereignis machen. Kinder, die glauben, dass alles davon abhängt, schneiden schlechter ab. Der Test ist eine Stunde Rätsel lösen, nicht mehr.
Was nicht hilft
Gehirnjogging-Apps mit Punkten, Leveln und Belohnungen trainieren das, was sie zeigen, und übertragen nach Stand der Forschung nicht auf Intelligenztests, siehe Kann man den IQ trainieren?. Für Kinder kommt dazu, dass die Spielmechanik das Ziel ersetzt: Sie sammeln Sterne statt Regeln zu verstehen. Nüchterne Aufgaben mit Erklärung sind für Kinder ab etwa acht Jahren besser geeignet, als man denkt, weil sie den Test selbst abbilden und keine Überraschung mehr übrig lassen. Die Aufgabentypen im Einzelnen: Matrizentests lösen, Figurenreihen lösen, Zahlenspanne.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter kann man einen IQ-Test machen?
Standardisierte Tests gibt es ab etwa zweieinhalb Jahren (WPPSI). Belastbar und stabil werden die Ergebnisse ab dem Grundschulalter, der WISC gilt für sechs bis sechzehn Jahre.
Sollte man Kinder auf einen IQ-Test vorbereiten?
Für Auswahlverfahren wie Begabtenprogramme ja, Vertrautheit mit den Aufgabentypen ist dort üblich und fair. Für eine diagnostische Untersuchung nein, dort soll der Test den Ist-Zustand messen.
Was kostet ein IQ-Test für Kinder?
Eine Testung beim Psychologen kostet in Deutschland meist 200 bis 500 Euro. Bei Verdacht auf Lernstörungen oder im Rahmen einer schulpsychologischen Untersuchung ist sie oft kostenlos.
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