IQ Prep

Kann man den IQ trainieren? Was die Studien sagen

Stand 7. September 2026

Die kurze Antwort: Die Testleistung ja, die dahinterliegende Intelligenz nach heutigem Kenntnisstand kaum. Das klingt wie Wortklauberei, ist aber der Kern der gesamten Debatte, und wer einen Test vor sich hat, sollte den Unterschied kennen.

Der Auslöser: Dual n-back, 2008

2008 veröffentlichten Susanne Jaeggi und Kollegen in PNAS eine Studie, die Aufsehen erregte. Probanden trainierten wenige Wochen lang eine Arbeitsgedächtnisaufgabe, das Dual n-back, und verbesserten sich danach in einem Test für fluide Intelligenz, also der Fähigkeit, neue Probleme ohne Vorwissen zu lösen. Je länger das Training, desto größer der Zuwachs. Das war die erste ernstzunehmende Evidenz, dass ein trainierbares Modul den Generalfaktor der Intelligenz anheben könnte.

Die Studie hatte Schwächen, die in den Folgejahren aufgearbeitet wurden: kleine Stichproben, eine passive Kontrollgruppe, die gar nichts tat, und Intelligenztests, die unter Zeitdruck verkürzt wurden. Trotzdem löste sie eine Welle an Replikationen und eine ganze Industrie aus.

Die Meta-Analysen

Wenn viele Studien mit widersprüchlichen Ergebnissen vorliegen, zählt die Meta-Analyse, die alle zusammenrechnet. Für Arbeitsgedächtnistraining gibt es mehrere, und sie kommen zu einem konsistenten Bild.

Das Muster ist in der Forschung als Nah- und Ferntransfer bekannt. Nahtransfer, also die Verbesserung in der Aufgabe selbst und ihren nächsten Verwandten, ist robust. Ferntransfer auf den Generalfaktor ist es nicht. Wer Dual n-back trainiert, wird sehr gut in Dual n-back.

Was dagegen belegt ist: der Übungseffekt

Es gibt einen zweiten Forschungsstrang, der viel weniger Aufmerksamkeit bekommt, weil er unspektakulär ist. Er beschäftigt sich mit der Frage, was passiert, wenn Menschen denselben Test oder ein ähnliches Format mehrfach bearbeiten.

Die Meta-Analyse von Hausknecht, Halpert, Di Paolo und Moriarty Gerrard (2007) im Journal of Applied Psychology wertete über 100 Stichproben mit mehr als 100.000 Teilnehmern aus. Ergebnis: Allein durch die Wiederholung eines kognitiven Leistungstests steigt die Punktzahl im Mittel um rund ein Viertel Standardabweichung. Mit gezieltem Coaching, also dem Erlernen der Aufgabentypen und Strategien, ist der Zuwachs deutlich größer. Übersetzt in die IQ-Skala mit Standardabweichung 15 entspricht ein Viertel Standardabweichung knapp vier Punkten, und das ohne jede Strategie, nur durch Vertrautheit.

Der Grund ist einfach. Ein Intelligenztest misst nicht nur die Fähigkeit, ein Muster zu erkennen, sondern auch, wie schnell man versteht, was die Aufgabe überhaupt verlangt, wie man die Zeit einteilt und wie man mit Aufgaben umgeht, die man nicht lösen kann. Diese Anteile sind lernbar, und sie sind beim ersten Kontakt mit einem Testformat erheblich.

Was das für die Vorbereitung bedeutet

Wer einen Einstellungstest, ein Aufnahmeverfahren oder einen Mensa-Test vor sich hat, hat zwei Optionen. Die erste ist, Wochen in Gehirnjogging zu investieren, in der Hoffnung, dass ein paar Punkte durchsickern. Die Evidenz dafür ist dünn. Die zweite ist, die konkreten Aufgabentypen des Tests zu üben, bis das Format keine Überraschung mehr ist. Die Evidenz dafür ist solide.

Konkret heißt das: Matrizen, Zahlenreihen, Figurenreihen, Analogien, Zahlenspanne. Jeden Typ so oft bearbeiten, dass man die Regelfamilien kennt, unter Zeitlimit, mit Erklärung nach jeder Aufgabe. Nicht, weil das den Generalfaktor verändert, sondern weil es den Abstand zwischen dem, was man kann, und dem, was der Test misst, schließt.

Und das Arbeitsgedächtnis?

Aufgaben wie Dual n-back, Stroop oder Corsi-Block sind deshalb nicht wertlos. Sie messen Funktionen, die mit Intelligenz korrelieren, in der Größenordnung von 0,3 bis 0,5. Als Messinstrument sind sie zuverlässig, und wer seine eigene Reaktionszeit oder Arbeitsgedächtnisspanne über Wochen beobachtet, sieht etwas Echtes: Schlaf, Stress und Tagesform bilden sich ab. Nur die Erwartung, dass das Training dieser Funktionen den IQ anhebt, ist nach Stand der Forschung nicht gedeckt.

Quellen

Häufige Fragen

Kann man seinen IQ durch Training steigern?

Die Testleistung ja, um mehrere Punkte, durch Vertrautheit mit dem Testformat. Die zugrunde liegende Intelligenz nach Stand der Meta-Analysen kaum. Gehirnjogging und Arbeitsgedächtnistraining verbessern vor allem die trainierte Aufgabe selbst.

Wie viele IQ-Punkte bringt Übung?

Die Meta-Analyse von Hausknecht et al. (2007) zeigt durch Wiederholung eines Tests einen Zuwachs von rund einem Viertel Standardabweichung, das entspricht knapp vier IQ-Punkten, mit gezieltem Coaching mehr.

Bringt Dual n-back etwas?

Man wird sehr gut in Dual n-back. Ein Transfer auf fluide Intelligenz zeigt sich in Meta-Analysen mit aktiven Kontrollgruppen nicht oder nur minimal.

IQ Prep übt genau diese Aufgabentypen unter Testbedingungen, mit Erklärung nach jeder Antwort. Kostenlos ausprobieren, Vollversion einmalig 4,99 €, kein Abo.

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